Zur Sprache kommen
25.9.94 / 23:28
Es hat mich heute Nachmittag eigenartig berührt, als ich, nach einer guten Formulierung suchend, auf «zur Sprache kommen» stiess.
Wenn etwas zur Sprache kommt, muss es zuvor sprachlos gewesen sein, anderswo, fern der Sprache, Nicht- oder Nochnicht-Sprache.
Zur Sprache kommen kann nur Wahrheit. Reden kann man über alles.
Die Sprache selbst sagt uns, indem sie selbst den Ausdruck «zur Sprache kommen» bildet, dass es etwas gibt vor der Sprache.
Wenn wir nur gut der Sprache zuhören, erfahren wir etwas über die Geheimnisse der Schöpfung.
- Dass uns etwas zur Sprache käme in dieser lärmigen Zeit.
Voller Getöse und Geschwätz.
Dass uns etwas zur Sprache käme,
dann wollte die Seele lange Ohren bekommen.
Sehr still würde sie. Und freudig.
Dass uns etwas zur Sprache käme.
Nur ein Wort, das uns berührte.
Und wir lebten, statt zu zappeln.
Dass uns etwas zur Sprache käme.
Hätten sie uns bloss Spielen gelehrt.
Aufs Kartoffelgraben wären wir von alleine gekommen.
So wäre uns vielleicht erspart geblieben,
wegzustrampeln, was sie Leben nennen,
wie das Kind die feuchte Decke
nach albschwerer Nacht.
Hätten sie bloss von Sprache etwas gesagt.
Wir wären schneller gelaufen, als sie uns riefen.