Gegenwart
8.6.92/13:33
Meinetwegen kann der Tag noch lange dort drüben liegen und sich von Schafgebimmel beweihräuchern lassen. Er muss es ja wissen.
Vorderhand sehe ich ihn mit meinen eigenen Augen. Und schöner ist er nur im Vergleich zu vergessenen Zeiten.
Wo sollte ich anfangen mit graben?
Und wohin mit dem Schrott? Ist das Gebrauchte wirklich der Grund allen Übels oder läge es womöglich näher, den Ententeich auszuräumen?
Weiterhin alles Gute, liebe Wäscherin, brauchst du auch wirklich nichts auf deine alten Tage?
Minderheiten haben sich heute einen freien Tag gemacht, es riecht nach Mandelware. Peinigende Stille war gerade noch hinüber gekommen, als es hiess, der Strom werde nun umgeleitet.
Die Jugendmusik kam auch nicht.
Wetterstangen hingen an den Bäumen und machten verdutzte Gesichter. Man wird es ihnen kaum verzeihen.
Wutentbrannt stemmte er den Ahnenschrein über die Krete. Auf der anderen Seite ging es dann leichter.
Blümchen purzeln durch die Gedankengänge und Vögel peilen Notvorräte an.
Es sind diese Tage, es sind diese Tage. Keiner wird es hinterher gewesen sein wollen. Wen sollte man da fragen. Dabei hat alles so gemächlich angefangen, es schien, als wölbte sich der Tag und Meisenkönige hätten vorgesprochen. Bei Gott, es wäre anders gekommen, wenn die Vaterlaube schon gestern vermietet gewesen wäre. Bei den Winden.
Gewundert hätte es gewiss keinen, wenn die Versammlung erst im Nachhinein auf den Rasen hinausgetreten wäre. Aber dann!
Nörgelnde Bootsverkäufer möchten jetzt plötzlich auch dabei gewesen sein, seit es hiess, die Rührseligkeit habe sich beim Präsidenten abgemeldet. Den möchte ich sehen.
Essen und Trinken dem Meistbietenden! Oder doch fast.
Mindesthöhen für fromme Gefühle sind gesetzlich vorgeschrieben, seit es in letzter Zeit so viele Abstürze gibt. Es sollte wirklich jeder wissen, wo hinaus er will beim täglichen Üben, es fiele dann leichter, mitteilsamen Nachbarn die Stange zu halten. Und doch war es wieder die von neulich.
Oh Wunder, es hat einen Reigen gegeben, wo schon die Nässe das schlimmste befürchten liess. Ob wir damit weiterkommen?
Ein Gewühl war das am Ende des Tages, als sich alles ins Dunkel verkroch.
© Erich Liebi, CH-8038 Zürich, 1992/2009