Aufrecht stehend und abrecht hängend
Ohne Himmelanziehungskraft, die ihn aufrecht hält, wäre der Mensch ein vierfüssiges Tier.
Was befähigt den Menschen dazu, mit beiden Füssen fest auf der Erde senkrecht stehend sein Haupt hoch erhoben gen Himmel zu tragen statt wie die Tiere der Nase nach in der waagrechten Welt hierhin und dorthin zu laufen?
Platon sagt im «Timaios» (43.90 a, verfasst 347 v.Chr.)
- «Denn dort, von wo der erste Ursprung der Seele ausging, hat das göttliche Wesen unser Haupt und damit auch unsere Wurzel festgemacht, und dadurch gibt er dem ganzen Leib die aufrechte Haltung».
«Haupt», «Wurzel» und «festgemacht» sind die Schlüsselwörter: Der Ort, wo die Seele ihren Urpsrung hat, ist der Himmel. Dann ist der Mensch in seiner aufrechten Haltung mit seinem Haupt(haar) am oder im Himmel verwurzelt. Das «göttliche Wesen» hält den Menschen an seinem Schopf fest und verschafft ihm damit zu seiner aufrechten Haltung.
Wahrheitsgemäss müssen wir den Menschen somit nicht nur als aufrecht stehend, sondern ebenso als abrecht hängend bezeichnen.
Diese «Aufhängevorrichtung» für den Menschen setzt allerdings eine wirkliche Beziehung zwischen dem Menschen und dem «göttlichen Wesen» voraus, vergleichbar mit der Sonnenblume, die sich nach der Sonne ausrichtet.
Ohne oder mit gestörter Beziehung zum «göttlichen Wesen» wird die aufrechte Haltung dem Menschen zum Problem, er empfindet sie – unbewusst – als unhaltbar und untragbar und er sucht – ebenfalls unbewusst – nach einer Lösung seines Problems.
Ihm kann geholfen werden. Wenn Bestehendes grundsätzlich «reduzierbar» ist, ist auch die aufrechte Haltung des Menschen «reduzierbar». Die Evolutionstheorie sieht den aufrecht stehenden Menschen als Entwicklung von unten (Vierfüssigkeit) nach oben (Zweifüssigkeit). Der Weg zurück führt von oben nach unten.
Der sich pandemisch ausbreitende Gebrauch von Vierfüssigkeitsprothesen (Gehstöcke/«nordic walking») muss als Symptom einer ernsten Zeitkrankheit gesehen werden. Der Mensch ohne Beziehung zum «göttlichen Wesen» darf seiner aufrechten Haltung nicht trauen und greift zu den Stöcken. Wird die Krankheit vererbt, kehrt der Mensch in einigen Generationen zur Vierfüssigieit zurück.