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«Urknall, adee!»

Die Körperzelle als Gleichnis für den Kosmos
Wenn das Geschehen in und mit der Zelle Urmodell allen Geschehens in der Natur ist, wenn alles Lebendige in Wachstum und Vergehen in der Zeit diesem Urmodell gehorcht und wenn die Welt, in der wir leben, bestehend aus der diesseitigen Erde und ihrem Umraum und dem jenseitigen Himmel und seinem Umraum, sowie aus den Kraftströmen, die beiden aus ihrer gemeinsamen Quelle zufliesst, dann ist die Frage, ob diese Welt aus einem «Urknall» entstanden ist oder nicht, ganz einfach zu beantworten.


Der erste Weg
Massgebend ist das Geschehen bei der Zellteilung. Verursacht er Geräusche? Um diese Frage beantworten zu können, bediene man sich ausser des üblichen Mikroskops auch eines Mikrophons und man horche, ob im Augenblick der Teilung ein lauter Knall zu hören sei oder nicht. Das Problem dabei besteht darin, ein Mikrophon zu bauen, das in seiner akustischen Verstärkungsleistung der Vergrösserungsleistung des Mikroskops auf der optischen Seite entspricht.


Der zweite Weg
Ein anderer, hinsichtlich der erforderlichen Gerätschaften weniger auf-wendiger Weg auf der Suche nach dem «Urknall» führt uns aufs freie Feld hinaus oder in den Garten. Wir nehmen einen Samen, der Stangenbohne oder der Sonnenblume, und legen ihn fachgerecht in die Erde. Dort überlassen wir ihn vorerst sich selber. Am dritten Tage aber suchen wir vor Tagesanbruch wieder den Ort auf, wo wir den Samen in die Erde gebettet haben. Wir legen uns bäuchlings auf den Boden, drehen den Kopf so zur Seite, dass ein Ohr direkt über dem Sämling den Boden berührt. Nur warten wir ruhig atmend und geben Acht, ob bei Sonnenaufgang unter uns eine lauter Knall zu hören sei, wenn der Keimling seine Fesseln sprengt und das Samenkorn in zwei Teile zerfällt.


Der dritte Weg
Ein drittes Verfahren, um die Urknalltheorie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, erfordert ein stattliches Aufgebot an Archäologen, Altphilologen, Historikern und was es sonst noch an Altertumsforschern gibt. Man lasse sie entweder an der heiligen Städte des Ostergeschehens oder in den darüber berichtenden kanonischen und in allen anderen Schriften sorgsam erforschen, ob es Zeugen gibt, die glaubhaft von einem lauten Knall berichten in dem Augenblick, als am dritten Tage, noch vor Tagesanbruch, der Stein vor dem Grabeingang – «er war sehr gross» – beiseite geschafft wurde.


Der vierte Weg
Ein vierter Weg erscheint uns weniger empfehlenswert, da er immense Aufwände an Geld, Material und Zeit erforderte. Wir müssten Raumschiffe mit einer Reichweite und einer Funktionsdauer herrichten, die alles bisherige überträfen. Statt mit Teleskopen müssten wir sie mit extrem empfindlichen Mikrophonen ausstatten und sie weit ausserhalb des irdischen Lärmgürtels den Weltraum auf knallähnliche Geräusche abhorchen lassen, die möglicherweise von der Geburt eines neuen Sonnensystems herrühren könnten. Gleichzeitig wäre zu prüfen, ob mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht auch mit einem unendlich fernen und leisen Echo des Urknalls zu rechnen sei.


Zu denken gibt uns übrigens eine sprachliche Eigentümlichkeit, die ein grelles Licht auf die Urknalltheorie wirft. In der lebenden Zelle gehört die Kernteilung (Zentralkörperchen) in die erste, die so genannte Prophase der Zellteilung. In dieser ersten Phase löst sich auch die Kernmembran auf, also jene «Haut» welche den Zellkern um- und ihn gegen den Zellraum abschliesst. In dieser Tatsache liegt die Erkenntnis verborgen, dass es innerhalb des Lebenssystems Explosionen im Sinne der Urknalltheorie nicht geben kann. Alles Geschehen bei der Zellteilung spricht für sanfte, fliessende Vorgänge, Knalleffekte haben hier nichts verloren.


Ganz anders sieht es aus, wenn wir statt «Teilung» das Wort «Spaltung» verwenden und bei der Kernspaltung landen. Dort knallt es bekanntlich ganz gehörig. Ist es vielleicht die Faszination durch Atombombenexplosionen, welchen die Wissenschaft auf die Idee gebracht hat, diese Welt und ihr Leben sei auf ähnliche Weise entstanden, wie Hiroshima unterging? Und will man Gott, dem Schöpfer, die Kernspaltung unterstellen, um das schlechte Gewissen zu beruhigen?


© Studienzentrum Himmel+Erde, Zürich, 2006

Zellteilungals Gleichnis1
Zellteilungals Gleichnis1
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