Das «Einsiedler Welttheater» – Welt ohne Schöpfer
Das «Einsiedler Welttheater» 2007 verschweigt – ganz im Gegensatz zu Calderóns «Grossem Welttheater» – den Schöpfergott. Das ist aber nur die halbe Wahrheit – und im wahrsten Sinne des Wortes eine Herausforderung für die Kirche.
In Pedro Calderóns «grossem Welttheater» hat der Schöpfer der Welt – ganz biblisch – das erste Wort. Er ist es, der die Welt und ihr ganzes Theater erscheinen lässt, ganz im Sinne des christlichen Glaubensbekenntnisses: «Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…»
Für das «Einsiedler Welttheater» 2007 hat Thomas Hürlimann die Rolle des Schöpfers gestrichen. Die «Welt» erscheint aus sich selbst, selbst gemacht. Hürlimann verschweigt den Schöpfergott ganz im Sinne des «Glaubensbekenntnisses» der Wissenschaft. «Heute gilt der methodische Atheismus in den Wissenschaften – vor allem den Naturwissenschaften – als ‹Standard›. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich der praktische Atheismus im Okzident faktisch zu einer Mehrheitsposition entwickelt», lesen wir bei «Wikipedia» zum Stichwort «Atheismus».
Eine Welt ohne Gott aber, das glauben wir Christen, ist eine Welt ohne Hoffnung und folgerichtig endet Hürlimanns Spiel «mit einer Apokalypse ohne Glaubensgewissheiten», wie – ganz aktuell – ebenfalls bei «Wikipedia» zu lesen ist, diesmal unter dem Stichwort «Pedro Calderón/Welttheater».
Der zweite Abwesende in Hürlimanns Stück
Hürlimann sagt mit seinem Stück somit die Wahrheit, er zeigt die Welt, wie sie vom «methodischen» und «praktischen» Atheismus «zu Beginn des 21. Jahrhunderts», also im Geiste der Naturwissenschaften und der «öffentlichen Meinung» gesehen wird.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit verschweigt Hürlimann ebenso, wie er den Schöpfer der Welt verschweigt. Wir Christen kennen die andere Hälfte: Es gibt keine Welt ohne Gott. Es gibt nur eine Welt mit dem Gott, der sie erschaffen hat oder aber mit jenem anderen «Gott», der den Schöpfer verschweigt, unterschlägt, leugnet. Dieser «Gott» aber ist niemand anderes als das Böse, auch unter dem Namen «Zeitgeist» bekannt. In diesem Punkt ist Hürlimann als «Welttheater»-Autor inkonsequent. An Stelle des verschwiegenen Schöpfergottes hätte er das Böse auftreten lassen sollen, er hätte ihm ja den Namen «Teufel» geben können. Aber eben – wer nicht an den guten Gott glaubt, wird auch mit dem bösen seine liebe Mühe haben.
Herausgeforderte Kirche
Und was hat das mit der «Kirche» zu tun, vor deren Türen eine von Gott isolierte Welt wahrheitsgemäss als Welt voller Angst und ohne Hoffnung gezeigt wird? Die Kirche wird im wahrsten Sinne des Wortes herausgefordert, indem sie daran erinnert wird, dass sie längst vor dem bösen Zeitgeist kapituliert und die Welt dem «methodischen» und «praktischen» Atheismus, also sich selbst überlassen hat.
Das «Einsiedler Welttheater» 2007 fordert die Kirche heraus, Mut zu fassen und sich auf ihre Zuständigkeit für die «Welt» zu besinnen – im Namen Gottes, des Allmächtigen Schöpfers des Himmels und der Erde. Das «Einsiedler Welttheater» fordert die Kirche heraus, zu bekennen, dass es – im Gegensatz zu dem, was das naturwissenschaftliche «Glaubensbekenntnis» sagt – mit Gott durchaus Erkenntnis darüber zu gewinnen ist, dass und wie sich der Schöpfergott bei der Erschaffung der Welt der «naturwissenschaftlichen Phänomene» bedient. Auch sie gehören ja ihm, auch sie sind sein Werk.
(14.8.07)